Jüngst konnte mensch in zwei sich links nennenden Zeitungen unterschiedlich reflexionsarme Artikel zur Ernährung, speziell zum Vegetarismus lesen.
In der taz den Beitrag von Till Ehrlicher zum nicht schmeckenden Tofu, dessen Grundstoff, die Sojabohne bzw. deren Anbau die Menschen in Südamerika verarmen lasse. Und außerdem, so Ehrlicher, wolle Tofu ja nur wie Fleisch oder Wurst schmecken; dann doch lieber gleich das Original. Durchdachter argumentiert Rüdiger Haude in der Graswurzelrevolution, räumt Nutztieren auch gewisse Rechte ein, z. B., nicht unnötig leiden zu müssen. Gleichzeitig sei aber unsere Gattung “naturgeschichtlich” eher ein Aas- und Allesfresser, so dass Fleichkonsum nicht grundsätzlich tabu sein könne. Welche Schlachtung von welchem Tier ist dann aber notwendig? Jedes Schlachten eines Tieres ist eindeutig ein “Leid zu fügen”, das nicht zu erleben sich 99% der Nahrungsaufnehmenden nicht anzuschauen brauchen, sonst würde ihnen ggf. der Appetit vergehen. Vielleicht würde es weiterhelfen, im Sinne des frühen Marx die Forderung nach einer “Naturalisierung des Menschen und Humanisierung der Natur” zu diskutieren. Lediglich der Blick in die Gattungsgeschichte wird uns nicht zu einer Gattungszukunft führen.
20
Jul
09
Seit 30 Jahren führe ich nun schon Gespräche / Diskussionen zum Thema Vegetarismus – viele musste ich allein deshalb führen, weil mein eigenes vegetarisches Leben andere provozierte. Mit Frauen ging das immer viel leichter und das liegt in erster Linie daran, dass Männer eben reine Gefühlsmenschen sind (ich meine damit nicht, dass sie mehr Gefühl für andere, für ihre Umwelt zeigen, sondern ihre Entscheidung zu allererst nach ihrem Gefühl und nicht ihrem Verstand treffen), Frauen jedoch fast immer Kopf und Bauch in Gesprächen, bei Entscheidungen miteinander verbinden. Du schreibst, dass vielen der Appetit vergehen würde, wenn sie zuschauen müssten, wie Fleisch “produziert” wird (und erst recht: wenn sie selbst töten und zubereiten müssten): die Erfahrung habe ich häufig gemacht, wenn ich mit Kindern und Erwachsenen Filme wie FLEISCH FRISST MENSCHEN geschaut habe: Männer und Jungen sind genauso betroffen wie Mädchen und Frauen, in dem Moment ist ihnen der Appetit völlig vergangen. Das Gefühl verfliegt, es gibt keine Verbindung im Kopf: beim Abendbrot wird wieder empört gefragt, warum keine Wurst auf dem Tisch steht. Mädchen verbinden ihr Betroffenheitsgefühl häufiger mit Kopfarbeit: sie kommen schnell darauf, dass sie selbst mit den Missständen zu tun haben und dass sie mit Verhalten ändern können.
Aber Männer reagieren mit “Schein-” Argumenten: der taz-Journalist ist da keine Ausnahme, sondern die Regel: frech Behauptungen völlig inhaltsfrei in die Welt setzen und dies als Argument verkaufen.
Es ist perfide, sich als kritischer Mensch, zumal auf einer schwarzroten Seite, auf Margaret Thatcher zu beziehen. Aber sie wurde mal gefragt, wie sie delegiert und sie antwortete: “Willst du eine Rede hören, dann wende dich an einen Mann. Willst du Taten sehen, dann geh zu einer Frau.”