27
Apr
10

Krieg und Heimatkriegsfront

Neues in Deutschland: die zunehmende Zahl von getöteten deutschen Soldaten in Afghanistan führt dazu, dass nunmehr auch hier eine „Heimatfront“ entsteht. Kerstin Müller (Grüne-MdB) findet es schäbig, dass die Linke sofort nach dem Tod deutscher Soldaten deren Abzug fordert. Schäbig, dass muss mensch sich mal vorstellen. Eine Partei mit den früheren Bausteinen „ökologisch, basisdemokratisch, sozial, gewaltfrei.“ Und dann werden antimilitaristische Aufkleber der harmlosen Art von der Tür einer linken Bundestagsabgeordneten entfernt. Und diejenigen Berliner, die das „Feiern, wie sie fallen“ ankgeündigt hatten, werden kriminalisiert. Erschreckend!

19
Mrz
10

schwarz-grün, mal anders…

In ihrer neuen Ausgabe (utopia 15) und auf ihrer Internetseite (www.jugenzeitung.net) veröffentlicht die anarchistische Jugendzeitung direkt nebeneinander zwei Anzeigen: „resfuse-resist-revolt“ für mosquito.org und “Apocalypse now oder nachhaltiges Bruttosozialprodukt“ für die 14. Eine-Welt-Landeskonferenz. Das verwundert doch, denn: das Thema klingt nicht nur nach grünem Kapitalismus, es war auch grüner Kapitalismus, der auf der Konferenz referierte. So stellte Dr. Daniela Büchel die „Nachhaltigkeit bei der Rewe Group vor.“ (Datei downloadbar auf der homepage des Netzwerks) Die Präsentation zeigt eine strikte corporate identity des Unternehmens, den Verkauf von einzelnen als fair gehandelt zertifizierten und einiger Bioprodukte an. Links ist daran gar nichts. Neulich erfuhr ich, dass ein Biobauer 19 t Kartoffeln zu einem sehr bescheidenen Preis verkaufte: an Rewe zufällig. 0,28 € das Kilo Biokartoffeln – schaut selbst, was das bei Rewe dann so kostet.
Die utopia ist werbefinanziert, klar. Aber wenigstens linke anzeigen könnten es doch sein, oder?

04
Nov
09

Weniger missionieren – mehr praktizieren!

Gerade fand ich einen, beinahe zwei Nachrufe auf Horst Stowasser in der Direkten Aktion. Es ist doch erstaunlich, was sich manche so zutrauen, den Tod von Horst zu kommentieren, ohne Kenntnis von ihm und mit missionarischem Eifer. Gerade so war Host nicht. Seine Form, den Anarchismus z „predigen“ war die der Tat, die des Aufbaus des Sozialismus von unten, wie ihn ja auch Landauer in seinem „Aufruf“ skizzierte. Ich habe ihn persönlich nur bei 35 Jahre GWR erlebt. Das ist sehr schade.

20
Aug
09

gamescom: kartenkauf ist schwerer als ego-shooting

Gar kein Spiel und waren die gestrigen Bemühungen, noch Vorverkaufskarten für die gamecom zu erwerben. Wahrscheinlich war der Server für die Häufigkeit der Nachfragen nicht ausgelegt; ein Gefühl, um günstigere Karten gebracht worden zu sein (3,50 € por Karte) bleibt jedoch bestehen. Zumal es noch nicht einmal das Eingeständnis der Messebetreiber gab, das da irgendwas nicht lief.
Heute, wo die Karten statt 9,- € 12,50 € kosten, war die Anmeldung im Onlineshop ja soooo einfach……..

20
Jul
09

von tofu und tieren….

Jüngst konnte mensch in zwei sich links nennenden Zeitungen unterschiedlich reflexionsarme Artikel zur Ernährung, speziell zum Vegetarismus lesen.
In der taz den Beitrag von Till Ehrlicher zum nicht schmeckenden Tofu, dessen Grundstoff, die Sojabohne bzw. deren Anbau die Menschen in Südamerika verarmen lasse. Und außerdem, so Ehrlicher, wolle Tofu ja nur wie Fleisch oder Wurst schmecken; dann doch lieber gleich das Original. Durchdachter argumentiert Rüdiger Haude in der Graswurzelrevolution, räumt Nutztieren auch gewisse Rechte ein, z. B., nicht unnötig leiden zu müssen. Gleichzeitig sei aber unsere Gattung „naturgeschichtlich“ eher ein Aas- und Allesfresser, so dass Fleichkonsum nicht grundsätzlich tabu sein könne. Welche Schlachtung von welchem Tier ist dann aber notwendig? Jedes Schlachten eines Tieres ist eindeutig ein „Leid zu fügen“, das nicht zu erleben sich 99% der Nahrungsaufnehmenden nicht anzuschauen brauchen, sonst würde ihnen ggf. der Appetit vergehen. Vielleicht würde es weiterhelfen, im Sinne des frühen Marx die Forderung nach einer „Naturalisierung des Menschen und Humanisierung der Natur“ zu diskutieren. Lediglich der Blick in die Gattungsgeschichte wird uns nicht zu einer Gattungszukunft führen.

17
Apr
09

Becker ist Anarchist?

Becker und Jünnemann, Satire im WDR 2-Radio. Jeden Freitag morgen höre ich diese, so es passt, beim Hausputz. Heute fragte Jünnemann Becker, was er denn politisch sei, er hielte sich ja immer eher zurück. Und Becker bekannte sich als Anarchist! Immerhin. Als Beispiel, warum er Anarchist sei, führte Becker dann ein verkehrspolitisches Experiment aus den Niederlanden an: dort hatte ein Stadtplaner in einer kleinen Stadt sämtliche Verkehrszeichen demontieren lassen und die VerkehrsteilnehmerInnen mussten sich jeweils über die Situation verständigen. Dass hätte sehr gut geklappt und sei ein Beispiel dafür, dass Regeln nicht nötig seien.
Was doch manche für eine Vorstellung von Anarchismus haben. Das ist aber entwicklungsbedürftig.

16
Mrz
09

Iran – das nächste Schlachtfeld lockt!

Nachdem ich heute Morgen einen Kommentar von Tomas Avenarius in der Süddeutschen zum „Iran-Komplex“ gelesen habe, in der dieser der Frage nachgeht, ob und wie der Westen mit der Bombe in Händen der iranischen Staatsführung leben könne und im Schlußsatz gipfelte, dass bei Verneinung dieser Frage ein neuer Krieg im Mittleren Osten wohl unvermeidlich sei, da, ja da fiel mir die „Debatte“ um den letzten Gaza-Krieg ein, die in der gwr (nicht) statt fand.
Der Logik Jens Kastners folgend ist dieser sich abzeichnende Krieg unvermeidlich: eine zutiefst antisemitisch ausgerichtete herrschende politische/theologische Kaste verweigert nicht nur die Anerkennung des Existenzrechts Israels, nein, sie lädt auch noch die Creme de la Creme der westlichen Holocaustleugner zu einer Konferenz ins Land. Wenn diese Herrschaften am Drücker von Atmbomben sind, dann muss etwas passieren.
Die Frage ist jedoch, was passieren muss. Was vorher oder nachher passieren muss.
Wird Jens Kastner in der gwr irgendwann in 2010/11 auch wieder den Krieg gegen die Zivilbevölkerung verurteilen? Oder doch im Vorhinein nach realpolitischen Alternativen zu diesem Krieg suchen? Vielleicht sollte die gwr ihre Haltung schon im Vorfeld diskutieren.
Als gewaltfreier Anarchist bin ich gespannt.

24
Feb
09

Gaza-Krieg, Graszwurzel und die Genfer Konvention II

Wenn ich es recht überlege, dann ist nicht nur der eine Satz mit der Zivilbevölkerung an Kastners Beitrag sehr kritisch zu sehen. Anhand seiner Kritik an Marcos’ Rede entfaltet er ein Argumentatsionsportfolio, dass viele Gründe für den Krieg benennt, welche in summa die israelische Staatsraison widerspiegeln und nicht kritisieren. So heißt es bei Kastner: „In diesem Rahmen bezog Marcos nun Stellung zum Krieg Israels gegen die Hamas.“

Allein diese Aussage, Israel führe Krieg gegen die Hamas, ist keine neutrale Sicht, sondern exakt die Sicht der israelischen Regierung. Weiter heißt es in der gwr:

„Rund 1400 israelische ZivilistInnen sind durch Hamas-geförderte Selbstmordanschläge in den Jahren 2000 bis 2003 ums Leben gekommen, permanent wird Israel durch Raketen beschossen. Auch im eigenen Herrschaftsgebiet ist die gewaltsame Behinderung von freier Pressearbeit nach der Hamas-Machtübernahme im Gaza-Streifen 2007 ja nur die Spitze des Eisberges, Human Rights Watch und amnesty international beklagen massive Menschenrechtsverletzungen jenseits der Einschränkung der Pressefreiheit im von der Hamas verwalteten Gebiet. Mal nicht zu reden von Feminismus, individueller und kollektiver Emanzipation und anderen Konzepten, die einem oder einer links unten am Herz liegen sollten.“

Auch hier handelt es sich zu einem großen Teil um Argumente, die für die israelische Regierung kriegslegitimierend sind.
Auch in einer Polemik, in der im Vordergrund die Kritik einer Rede steht, müßte, zumal in einer Zeit, in der Krieg geführt wird, in einer gewaltfrei-anarchistischen Zeitung besonnener und verständigungsorientiert argumentiert werden.

05
Feb
09

Gaza-Krieg, Graszwurzel und die Genfer Konvention

„Der Krieg Israels im Gaza-Streifen ist ein Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung.“
Dieser Satz findet sich in dem Artikel „Marcos widersprechen“ von Jens Kastner in der Graswurzelrevolution 336 von Februar 2009.
Kastner geht es in seinem Beitrag eingestandener Weise darum, eine Rede von Subcomandante Marcos zu kritisieren. Marcos hatte in „würdiger Wut“ den Krieg in Gaza verurteilt und dabei Verständnis bis Unterstützung für die Kämpfer der Hamas geäußert.
Dies etikettiert Kastner als Antisemitismus und holt im Artikel zu einem undifferenzierten Rundumschlag gegen die Hamas aus.
Als vom Anspruch her gewaltfreier Anarchist liegt es mir fern, die militärische Hamas zu verteidigen.
Es ist jedoch seltsam, dass ausgerechnet in der gewaltfreien Graswurzelrevolution der Krieg der Besatzungsmacht Israel im Gaza-Streifen nur verurteilt wird, insofern er ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung ist.
Der Satz macht nur logisch Sinn, wenn der Autor den Krieg der IDF gegen die Kombattanten in Gaza (Hamas und andere militärische Gruppen) von der Verurteilung ausnimmt. Wenn ich den Begriff Zivilbevölkerung im Internet nachklicke, komme ich mehr oder weniger automatisch zur Genfer Konvention, die als erste staatenübergreifende Regelung zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegen verstanden werden kann.
Das ausgerechnet ein Zeitungsprojekt, dass den War Resisters International nahe steht, in die Sprache der Genfer Konvention zurückfällt, ist schwer zu verstehen. JEDER Krieg ist immer auch ein Krieg gegen die Unbewaffneten. Etwas anderes gibt es nicht; dass ist die tragische Logik von „Staat und Krieg“. Darum heißen die War Resisters International auch War Resisters International und nicht War Against Civil Population Resisters International.

22
Jan
09

Utopie: alternative Pornos!?

Die Jugendzeitung Utopia veröffentlichte in ihrer Ausgabe Januar/Februar 2009 einen Artikel unter dem Titel: „Alternative Pornos: ‘Die ganze Vielfalt zeigen’“

Genauer gesagt handelt es sich um ein Interview mit einer Kommunikationswissenschaftlerin und Sexarbeiterin. Diese sagt u.a.: „Ich biete nur gute Filme an, die sich von den herkömmlichen Pornos deutlich unterscheiden. In ihnen stehen Frauen und ihre Sexualität im Mittelpunkt (obwohl natürlich auch Männer in den Filmen mitspielen), es wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, bei dem die Kamera nicht nur auf die Genitalien fixiert ist, sondern die Schauspieler_innen in einer Beziehung, die über die rein körperliche hinausgeht, zeigt.“ Sie unterscheidet dann zwischen kommerzieller Pornographie und anderer.

Kann es aber eine solche Unterscheidung geben? Ich denke nein. Entscheidend ist doch, dass auch diese angeblich alternativen Filme Sex zu einer Ware machen. Natürlich ist Sex schon vielfach eine Ware, aber wollen wir davon noch mehr. Wenn schon jede Lohnarbeit Prostitution ist, dann ist Sexarbeit eine Verdoppelung.

Utopia bezeichnet sich als „eine Jugendzeitung für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft.“ Ich bezweifle, dass Pornographie da hinführt.




 

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  • NW-Watch: Zeitung druckt "PM" der britischen Armee zum Tod von 3 Soldaten in Afghanistan. Angehörige ist "froh": Tod bei Lieblingstätigkeit. 2 months ago
  • @walhus_pi Kann mensch das noch nachhören? Kann leider heute nachmittag doch nicht kommen. Müssen wir mal telefonieren wegen UN-Konf. 2 months ago
  • Anstecker der GEW: I love Inclusion. Motto der Fa. Kraft auf Miracle Whip-Mayonaise: I love Selbermachen. Müssen wir alles selbermachen!! 2 months ago
  • Heute Morgen: Jäger in oranger Weste getroffen. Gefragt: Also, tragen Sie die Weste, damit die Tiere Sie damit besser sehen? 3 months ago
  • @walhus_pi Und die Wassertemperatur?? 5 months ago

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